Rezensionen zu einem Theaterbesuch der Kurse Darstellendes Spiel 11 des Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasiums am 17. 01. 2007:
„Die Verwandlung“ nach Franz Kafka (Theater an der Parkaue, Berlin)
„Spült keine Spinnen den Abfluss hinunter...!"
„Kauft euren Kindern ein Eis! Küsst!", dass sind einige
Aspekte, die die Künstler dem Publikum mit der bekannten
Kafkaerzählung ,,Die Verwandlung", die im Berliner „Theater
an der Parkaue" zu besuchen ist, nahe bringen. Diese haben scheinbar
nicht viel mit der ursprünglichen Aussage des Texte zu tun, machen
die ca.100minütige Vorstellung aber dafür umso
unterhaltsamer. Die Irritationen, die möglicherweise durch das
interessant entwickelte Bühnenbild, welches während der
ganzen Aufführung das gleiche bleibt, sich aber irgendwie trotzdem
ständig verändert, entstehen, vermitteln die Grundstimmung
des Stückes, in dem Verwirrung und Unsicherheit eine große
Rolle spielen. Wer könnte sich schon vorstellen, eines Morgens als Käfer zu erwachen, vor allem,
wenn man einen festen Job hat, mit dem es die ganze Familie zu
versorgen gilt? So geschieht es nämlich Gregor Samsa. Von einem Augenblick auf den
nächsten steht sein Leben und das seiner Familie auf dem Kopf und
keiner weiß, mit der befremdlichen Situation umzugehen. Die
anspruchsvolle Inszenierung
lässt viel Freiraum für eigene Interpretationen, die, bei Bedarf, im Anschluss der
Aufführung zu spannenden und vor allem aufklärenden
Gesprächen mit der Dramaturgin, Amelie Mallmann, und einigen
Schauspielern führen können. Auch, vielleicht auch weil diese
moderne Umsetzung von „Die Verwandlung" viele Fragen aufwirft,
ist sie sehr gelungen und vor allem für Jugendliche ansprechend
gestaltet. Das liegt unter anderem auch an der integrierten Musik,
wobei hier jeder selbst bestimmen muss, ob der Grad zwischen
Ernsthaftigkeit und Lächerlichkeit überschritten wird oder
nicht, wenn Gregor Samsa, dargestellt von Denis Pöpping, z. B. von
seinem Kaninchen Jenny singt.
Durch die Publikumsnähe der Schauspieler und das Einbeziehen der
Zuschauer, kommt es nicht zu Langeweile. Sehr interessant erscheint die
Entwicklung des Verhaltens der Familie Samsa Gregor gegenüber. Man
könnte es als eine Art
„Wechselbad der Gefühle" bezeichnen, dass durch das Hin und Her zwischen der Anerkennung Gregors als Sohn und Bruder der Familie einerseits und der
Ablehnung Gregors als „ungeheures Ungeziefer" andererseits
gekennzeichnet ist. Das „Theater an der Parkaue" empfiehlt
„Die Verwandlung" ab einem Alter von 14 Jahren. Es sollte jedoch
beachtet werden, dass die Handlung des Stückes ohne Vorkenntnisse
schwer nachvollziehbar ist. Das sollte jedoch niemanden abschrecken,
denn es ist lohnenswert, sich auf diese unkonventionelle Art mit den
immer aktuellen Themen Veränderung und Unbekanntes, sowie die
gesellschaftlichen Reaktionen auf und den Umgang mit auffälligen
Individuen konfrontieren zu lassen und darüber nachzudenken,
wofür man lebt.
Georgina Kurmutz, Schinkel-Gymnasium, Kurs Darstellendes Spiel 11